Home Nach oben Sally Privat Inhalt Impressum             

           Donnerstag 07.01.10

Nach oben Donnerstag 07.01.10 Samstag 16.01.2010 Montag 18.01.2010 Mittwoch 27.01.10 Dienstag 2.2.10 Freitag 12.02.10
 

 

Tage später.

Heute war ein anstrengender Tag. Ich hatte gedacht, dass es besser wird, wenn die normalen Tage wieder anfangen. Die Arbeit wartet, Einkäufe und Wäsche machen usw.

    Aber es ist nicht einfacher. Es ist schwerer, viel schwerer. Meine normalen Tage waren durch Theos Dasein geprägt: Wecken, Knuddeln, Waschen, Zähne putzen, Anziehen, Knuddeln. Frühstücken. Zum Kindergarten fahren. Bis 9:00Uhr meine private Ausszeit: mit den Müttern im Elternkaffee Erfahrungen austauschen, quasseln. Dann 3 Stunden für Arbeit, Haushalt und Einkaufen. Oder 5 Stunden für Arbeit, Sport oder Garten, Haushalt, Einkaufen und Ehrenämter. Meist war die Zeit zu knapp und ich hetzte zum Kindergarten um Theo abzuholen. Nach dem Kindergarten hatte Theo irgendwelche Termine: Physiotherapie, Logopädie, Musikalische Früherziehung oder ich musste für uns kochen. Die restliche freie Zeit wurde gespielt, geputzt, am PC was gemacht, wenn Theo sich alleine beschäftigen konnte. Und dann war es schon wieder sechs und es ging ans Abendessen machen. In der Zeit saß Theo am Tisch und hörte seine Musikkassette und las die „Noten“ aus einem Liederheftchen mit. Nach dem Abendessen durfte Theo, wenn er nicht baden sollte noch eine Folge „Der Löwe ist los gucken“. Während dieser Zeit habe ich dann gespült oder bin mal schnell auf den Speicher Wäsche abnehmen oder in den Keller was raufholen geflitzt.

    Dann habe ich ihm noch eine Geschichte vorgelesen und dann sollte er eigentlich ins Bett. mal klappte das auch aber mal eben nicht. Und dann musste ich halt noch bügeln oder lesen oder mit dem Laptop arbeiten, statt Fernzusehen. Bis er entweder freiwillig ins Bett ging (30%) oder bei mir auf dem Sofa einschlief und ich ihn ins Bett tragen durfte. Das war dann meist um 20:30Uhr. FEIERABEND!! So Kiste an und nichts mehr denken, lesen, planen: berieseln lassen. Oder weiter lesen. Aber ganz bestimmt nichts mehr basteln oder Lärm in der Küche machen. Theo soll ja schlafen. In 50% der Nächte wachte er dann so um 3:00 Uhr auf und entweder kam er in mein Bett gekrabbelt oder ich musste ihn holen. In 30% der Nächte hat er nur einmal gequickt und ist wieder eingeschlafen.

    So waren meine Tagesabläufe und Nächte. Mein Lebenssinn, meine Lebensaufgabe war Theo. 

    Und nun? Nun stehe ich vor dem Nichts. Habe unglaublich viel Potential und habe absolut keine Ahnung was ich damit tun soll. Und alles Denkbare erscheint auch so unwichtig. Gibt es überhaupt eine Aufgabe, die das gleiche Gewicht hat wie für seine Familie da zu sein? Ist alles andere Streben nicht Tand? Diese Frage hatte ich mir schon 2003 gestellt und hatte keine Antwort gefunden. Doch dann hatte Theo alles zum Guten geändert und ich konnte endlich einen wirklichen Sinn in meinem Dasein erkennen. Alles Gewesene hatte auf einmal den einen Sinn mich auf ein Leben mit Theo und für Theo vorzubereiten.

    Meine Power, mein Durchsetzungsvermögen, meine Selbstsicherheit, die ich mir in den Stürmen meines Lebens bis 2004 angeeignet hatte.

    Alle Mißerfolge und jedes Wiederaufstehen hatte den Sinn mich für das Leben mit einem behinderten Kind stark zu machen.

 Und NUN?

    Ich weiß es nicht. Ich muss abwarten und mir die Zeit nehmen diese Frage gründlich zu erforschen. Bevor ich mich in irgendetwas hinein stürze.

    Hat alles nun den einen Sinn mich für ein Leben nach einem Kind stark zu machen?

 

Stark wofür?

 

Für andere Kinder?

Für andere Eltern mit Down-Syndrom-Kindern?

Für andere Downies?

 

 

Senden Sie ihre E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: mail@nhp-simon.de 
Stand: 13.Juni 2010